Evangelium und Predigt zum Sonntag nach Erscheinung des Herrn: Taufe des Herrn (10.01.2021)


 

Sonntag nach Erscheinung des Herrn: Taufe des Herrn (10.01.2021)

 

Evangelium (Mk 1,7-11):

In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.


 

Predigt:

In jeder katholischen Kirche befinden sich im Eingangsbereich ein oder mehrere Weihwasserbecken. Auch wenn diese Becken wegen der Corona-Hygienemaßnahmen schon seit fast einem Jahr leer sind, sollen sie uns auch weiterhin an den Moment unserer Taufe erinnern. Getauft wird man nur einmal im Leben, aber dieses Geschehen kann man sich gar nicht oft genug vor Augen führen oder ins Gedächtnis rufen, denn das Sakrament der Taufe ist ein einmaliges Geschenk an uns Christen – eigentlich ist es das wichtigste Geschenk unseres Lebens, denn in diesem Augenblick wurden wir für immer mit Jesus Christus verbunden. Am heutigen Sonntag feiern wir das Fest der Taufe des Herrn, mit dem liturgisch auch die Weihnachtszeit zu Ende geht.

Der Sohn Gottes steigt in den Jordan und lässt sich dort von Johannes taufen. Das ist verwunderlich, denn diese Taufe ist eine Bußtaufe: Die Menschen, die zu Johannes kommen, bekennen ihre Sünden und versprechen, ihr Leben zu bessern. Als Zeichen ihrer Umkehrbereitschaft taucht sie Johannes in das Wasser. Von Jesus jedoch wissen wir, dass er ohne Sünde war; dass er, das Lamm Gottes, ja vielmehr derjenige ist, der unsere Sünden wegnimmt. Aber gerade wegen dieser Erlösungstat lässt sich der Herr taufen, stellt er sich mitten unter die Sünder, sucht er den Kontakt mit ihnen. Er hebt sich äußerlich nicht von ihnen ab, seine Taufe ist ein Zeichen der Bescheidenheit und der Demut, genau wie einst seine Geburt in eine ärmliche Krippe. Auch in Betlehem zeigte der Sohn Gottes ein einfaches, bescheidenes Erscheinen, kam er als Geringer. Und wie damals das Kind in der Krippe, so bleibt auch der erwachsene Jesus Christus bei seiner Taufe im Jordan sprachlos – weder im Stall noch am Jordan offenbart er sich selbst als Messias, als Retter der Menschheit. Was bei seiner Geburt die Engel und ein außergewöhnlicher Stern deuteten, das ist am Jordan aus dem Himmel vernehmbar: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe!“ Jesus Christus ist hinsichtlich seiner Herkunft also nicht mit den anderen Täuflingen zu vergleichen: Er stammt von Gott!

Als Jesus aus dem Wasser steigt, öffnet sich der Himmel und der Geist Gottes kommt wie eine Taube auf ihn herab. Der Menschensohn ist und bleibt mit Gott und dem Himmel verbunden, Jesus Christus bringt den Himmel sozusagen mit auf die Erde. Diese für unsere Sinne nicht wahrnehmbare Welt im Jenseits, die Gegenwart Gottes, die für uns Menschen unerreichbar ist, macht er uns zugänglich. Der Himmel und die Ewigkeit Gottes bleiben für uns somit kein fiktives Traumgebilde, kein phantastisches Luftschloss, sondern werden zum Ziel unseres Lebens – erreichbar durch Jesus Christus, auf den wir getauft sind.

Die Menschen, die zu Johannes an den Jordan kommen, kehren nach ihrer Taufe wieder in ihren Alltag zurück; sicherlich geprägt von der beeindruckenden Gestalt des Täufers und hoffentlich erfüllt mit guten Vorsätzen, ihr Leben nun intensiv nach dem Willen Gottes auszurichten. Bei Jesus wird die Taufe dagegen zum Schlüsselpunkt seines Lebens: Er wird nicht mehr als Zimmermann nach Nazaret zurückkehren, sondern nun sein öffentliches Wirken in der Welt beginnen. Seine göttliche Natur, die er schon immer in sich trug, wird jetzt zum Vorschein kommen; in seinem Leben wird künftig wahrnehmbar, dass er tatsächlich der geliebte Sohn Gottes ist, dass er wirklich mit göttlicher Vollmacht handelt und spricht.

Was Jesus Christus in seinem Wesen ist, Sohn Gottes seit ewig und nicht erst seit seiner Taufe, das wird uns erst durch die Taufe geschenkt: Gott nimmt uns an als seine Kinder, er adoptiert uns. Wir gehören zur Familie Gottes, zu all denjenigen, die jemals getauft wurden und zu allen, die dieses Sakrament in Zukunft noch empfangen werden. Uns alle verbindet das Kreuzzeichen, das am Tag unserer Taufe zum ersten Mal öffentlich auf unsere Stirn gezeichnet wurde. Wir alle haben im Wasser der Taufe den alten, sterblichen Menschen abgelegt und den neuen Menschen angezogen. Das weiße Taufkleid symbolisiert diese unsichtbare Veränderung, das Hineinsteigen in Jesus Christus, den wir, wie Paulus sagt, wie ein Gewand angezogen haben. Mit ihm sind wir verbunden, er umgibt uns wie eine schützende Haut, mit Jesus Christus ist uns das ewige Leben verheißen.

Auch bei unserer Taufe kam der Heilige Geist auf uns herab, auch über uns öffnete sich der Himmel. Gott kommt in unsere Zeit, in unser Leben, er nimmt uns an der Hand. An jeden Getauften ergeht in diesem Moment der Zuspruch Gottes: „Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter!“ Aus diesem Geschenk Gottes an uns, aus dieser Gabe, erwächst aber auch eine Aufgabe an uns als Kinder Gottes. Unser Schöpfer setzt sein Vertrauen in uns, auch an uns möchte er Gefallen finden. Wir sind als Glieder an seinem Leib berufen, zusammen mit ihm und allen Getauften an seinem Reich mitzuwirken. Somit heißt es für uns auch immer wieder, dankbar zu sein für diesen großen Vertrauensvorschuss. Enttäuschen wir in unserem Leben unseren Schöpfer nicht, auf den wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft sind!

Amen