Diakon Paul Beyer: Gedanken zum 5. Sonntag in der Osterzeit (10. Mai 2020)


 

Diakon Paul Beyer:

Gedanken zum 5. Sonntag in der Osterzeit

(10. Mai 2020)

 

Fünfter Sonntag der Osterzeit – Gedanken von Diakon Paul Beyer
1. Lesung Apg 6,1-7 
2. Lesung 1 Petr 2,4-9
Evangelium Joh14,1-12
 
Lesung aus der Apostelgeschichte
 
In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, 
begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten:
Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde
und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philíppus und Próchorus, Nikánor und Timon, Parménas
und Nikolaus, einen Proselýten aus Antióchia.
Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder!
- Muttertag
- an vielen Orten der erste Gottesdienst seit dem 15. März;  
-  Vielen, die gerne zur Kirche kämen, wird gesagt: 
   Bleibt weiter zu Hause! Ihr gehört zur Risikogruppe!
 
Mir liegt heute ein weiteres Thema am Herzen;
inspiriert durch die erste Lesung aus der Apostelgeschichte  (Apg 6,1-7) und die Gebetsintention des Papstes Franziskus für den Monat Mai:
„Wir beten, dass die Diakone durch ihren treuen Dienst am Wort und an den Armen ein inspirierendes Zeichen für die ganze Kirche sind.“
 
In der Lesung aus der Apostelgeschichte dürfen wir dabei sein, wie in der Urgemeinde ein Konflikt ausbricht und wie eine Lösung gefunden wird.
Da war die judenchristliche Gemeinde in Jerusalem unter der Leitung der zwölf Apostel. Sie hatten kaum bemerkt, dass sich auch eine größere  Gruppe griechisch sprechender Juden aus der Diaspora der Gemeinde angeschlossen hatte. Diese Gruppe fühlte sich an den Rand gedrängt. Vor allem ihre Witwen kamen zu kurz. 
Die griechischen Gemeindemitglieder sind nicht bereit, um der Einheit willen alles hinzunehmen. Sie bringen ihre Unzufriedenheit offen zur Sprache.
Die Zwölf versuchen nicht, den Konflikt zu verdrängen oder hinter verschlossenen Türen zu entscheiden, sondern beziehen die ganze Gemeinde mit ein. So gelingt eine Lösung, die allen gerecht wird:
Die ersten sieben Diakone werden berufen.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat diesen ständigen Diakonat in unserer Zeit erneuert. Seitdem können verheiratete Männer wieder als Diakone hauptamtlich oder im Zivilberuf für die Kirche tätig sein.
 
Auch heute leiden wir unter innerkirchlichen Konflikten in Deutschland.
Deshalb haben sich die deutschen Katholiken auf den „Synodalen Weg“ gemacht, von dem ich schon in meiner Osterpredigt gesprochen habe.
Viele Frauen drängen nach einer Zulassung von Frauen zum Diakonat und zum Priestertum.
Ich  kenne und schätze in der Kirche sowohl Befürworter als auch Gegner der Frauenordination. 
Das führt beim Dialog des „Synodalen Weges“ zu großen Spannungen.
So sehr die Synodalen um eine Lösung ringen müssen und sich dabei vielleicht auch die Köpfe heißreden, so sehr müssen alle Gläubigen um den Heiligen Geist für diesen Weg beten. So lade ich Sie weiter ein die Gebetsbilder zum „Synodalen Weg“ aus unseren Kirchen mitzunehmen und zu Ihrem persönlichen Gebet zu machen.
 
 
Die zweite Lesung aus dem  erstenPetrusbrief beschreibt wunderschön, warum es sich lohnt um die irdische Gestalt der Kirche zu ringen und zu beten.
 
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus.
Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen,
aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!
Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen,
zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein,
einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre.
Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.
Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft,
ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde,
damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis
in sein wunderbares Licht gerufen hat.
 
Schwestern und Brüder, 
wir alle, die ringen und beten um gute Lösungen für unsere Pfarrei, für die Kirche in Deutschland und weltweit; uns gilt diese Zusage: 
Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft. 
(Deshalb werden wir in feierlichen Gottesdiensten mit Weihrauch inzensiert.)
Wir alle, Männer wie Frauen, Kinder wie alte Menschen haben Anteil an dieser königlichen Würde und sind – so begnadet – zum Aufbau der Kirche berufen.
Das ist unser Auftrag.
Wenn wir ihn wahrnehmen, werden immer mehr Menschen erfahren, dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
 
Die Wahl der sieben Männer – ein alter Text aus der Apostelgeschichte und hochaktuell auf der Suche nach Antworten in den Konflikten und Problemen in der Kirche heute. Amen.
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