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Während der Corona Pandemie veröffentlichen wir hier das Evangelium und die Predigt zum jeweiligen Sonntag.

 

 

Pfarrer Johannes Müller: Predigt 7. Sonntag in der Osterzeit (24. Mai 2020)
 
Lesungstexte: Apg 1,12-14
1 Petr 4,13-16
Joh 17,1-11a
 
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
in den letzten Wochen hat sich ein Fachbegriff in unserem Alltag etabliert, der zuvor in der Medizin gebräuchlich war: Quarantäne. Eine Person, die von einer Krankheit befallen ist, oder bei der eine solche Krankheit möglich wäre, wird vorübergehend isoliert um andere Menschen nicht anzustecken. Ganz konkret: Wer sich mit dem Corona-Virus infiziert hat oder bei dem dies möglich sein könnte, sei es, dass er mit einer infizierten Person Kontakt hatte oder sich in einem Risikogebiet aufhielt, darf seine Wohnung für eine Weile nicht verlassen. In gewisser Weise hat auch Jesus seinen Jüngern Quarantäne befohlen, denn einer seiner letzten Sätze vor der Himmelfahrt lautete: „Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet dort auf die Taufe mit dem Heiligen Geist!“ Dies befolgen die Jünger; sie ziehen sich zusammen mit Maria und einigen anderen in das Jerusalemer Obergemach zurück; dort verharren sie einmütig im Gebet. Wir dürfen annehmen, dass es der gleiche Raum ist, in dem Jesus einige Zeit zuvor das letzte Abendmahl feierte.
Dieser Raum, Abendmahlssaal/ Obergemach, ist eine Stätte, in der ein entscheidender Übergang der dort Versammelten erfolgt; ein Wechsel, der von einem intensiven Gebet begleitet wird. In diesem Saal kommt Jesus ein letztes Mal mit seinen engsten Gefährten zusammen. Bisher war er ihr Lehrer und Meister. Jesus war pausenlos unterwegs, predigend, Wunder vollbringend; er hat Menschen nicht nur angesprochen, sondern auch zur Nachfolge animiert. Eine äußerst aktive Phase, der nun der Leidensweg und das Kreuz folgt: Jesus wird gefangen und verhört, er wird gegeißelt und gekreuzigt. – eine rein passive Phase als Schmerzensmann, aber gerade darin liegt der Höhepunkt seines Heilswerks: Jesus wird unser Erlöser und Heiland. Als sich die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu in diesem Obergemach versammeln, spüren auch sie, dass nun ein Phasenwechsel bevorsteht: Bisher waren sie die passiven Begleiter und Gefolgsleute Jesu; eine stille Zeit, in der sie ihrem Meister zuhörten, ihm über die Schulter schauten und von ihm lernten. Doch jetzt stehen sie vor der aktiven Phase der Verkündigung: Jesus hatte ihnen vor der Himmelfahrt befohlen, in der ganzen Welt seine Zeugen zu sein, das Evangelium zu verkünden und zu taufen.
Für Jesus und nun für die Jünger ist dieser Phasenwechsel eine gewaltige Herausforderung, der man sich nicht stellen will, ohne eindringlich zu beten und zu bitten. Jesus richtet eine lange Bitte an seinen himmlischen Vater. Nach dem letzten Abendmahl ist er im sogenannten „Hohepriesterlichen Gebet“ mit dem Vater aufs Engste verbunden. Er zieht Bilanz über sein Heilswerk auf Erden. Die Verantwortung für seine Jünger übergibt er vor der Passion dem Vater und Jesus ist zufrieden mit seinem erreichten Werk. Sein oberstes Anliegen als Menschensohn war es, uns zu Gott zu führen, uns
Menschen zu helfen, Gott zu erkennen und zu lieben; nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Papst Benedikt XVI schrieb in einem seiner Jesus-Bücher, dass Jesus uns Gott gebracht habe. Wer Gott liebend erkennt, der gehört zu Gott, der hat auch Anteil an dem, was Gott ausmacht, der hat Anteil am ewigen Leben. Ewiges Leben ist die Gemeinschaft mit Gott. In gewisser Weise beginnt das ewige Leben für uns schon heute: Wer eine innige Verbindung mit Gott besitzt, wer in Gemeinschaft mit ihm lebt, dem kann der leibliche Tod nichts anhaben, der stirbt sozusagen in die Ewigkeit hinein, der lebt ewig. Jesus spürt, dass er seine Jünger zu diesem Vertrauensverhältnis geführt hat; er weiß aber auch, dass sie noch in der gleichen Nacht arg gebeutelt werden: Plötzlich wird die Angst um ihr Leben größer sein als ihr Vertrauen in sein Wort; plötzlich wird die Angst vor dem Tod größer sein als der Glaube an das ewige Leben. Und das, was die Jünger in dieser Nacht durchleben, werden viele Gläubige späterer Zeiten immer wieder erleiden. Das, was glaubensmäßig grundgelegt wurde, kann zerfallen; wir Menschen können müde und nachlässig werden in Sachen Liebe zu Gott, anfällig auch für Einflüsse, die uns von der Liebe zu Gott wegziehen wollen. Daher bittet Jesus seinen Vater, dass er die Seinen hiervor bewahre. Als wahrer Mensch kennt er schließlich die Schwäche von uns Menschen; er weiß, dass wir in der Welt den göttlichen Beistand brauchen.
Jesus bittet an diesem Abend aber auch für sich selbst: Dass er in seiner menschlichen Natur das durchstehen kann, was ihm bevorsteht. Als wahrer Mensch hat er Angst vor dieser Bewährungsprobe. Und daher bittet er um Kraft, damit er den Kelch annehmen, den Willen des Vaters befolgen und sein Heilswerk vollenden kann.
Das Gebet Jesu wurde erhört. Jesus ergab sich dem Willen des Vaters und dieser hat ihn vom Tod erweckt. Jesus konnte sich den Jüngern jetzt als Sieger über den Tod und die feindliche Welt zeigen. Doch nun, nach seiner Himmelfahrt, müssen sie sich erst einmal neu ordnen, auf die neue Situation einstellen: Sie tun das durch das Gebet. Jesus hatte sie beten gelehrt und im Gebet hört die Gemeinschaft mit ihm nicht auf. Am Pfingsttag werden die Jünger vom Heiligen Geist erfüllt werden; sie werden erfahren, welches Potenzial sie besitzen, was der Geist Gottes in ihnen freisetzen wird. Sie werden das Obergemach verlassen und mutig den verkünden, der sie zu seinem Werkzeug erkoren hat und von dem sie wissen: Er ist mit seinem Geist an unserer Seite.
Die Lesungen dieses Sonntags weisen uns auf die Bedeutung und die Kraft des Gebets hin. Vor wichtigen Entscheidungen, vor neuen Lebensabschnitten ist es ratsam, sich für ein paar Tage zurück zu ziehen, sich freiwillig in Quarantäne, in religiöse Exerzitien, zu begeben, um dort Gott zu begegnen. Wer betet, ist nicht nur mit Gott verbunden, sondern auch mit einer riesigen, weltweiten Glaubensgemeinschaft, mit der Kirche. Die Kirche nahm ihren Ursprung in diesem Jerusalemer Obergemach. Für das Funktionieren dieses weltweiten Netzwerks Kirche, bedarf es keiner moderner elektronischer Medien, sondern allein des Vertrauens in das Wirken des Heiligen Geistes.
Amen
(Pfarrer Johannes Müller)